Gefühle begleiten – leichter gesagt als getan?

Wir alle kennen verschiedene Gefühle.

Positive Gefühle wie Freude, Liebe, Geborgenheit, aber auch negative Gefühle wie Angst, Wut, Trauer empfinden wir jeder auf seine eigene Art und Weise. Das unterscheidet uns alle voneinander. Was uns nicht unterscheidet ist, dass wir alle diese Gefühle empfinden können                       ( ausgenommen mal durch Krankheit bedingte Einschränkungen )

Und wenn ich ALLE schreibe, meine ich nicht nur uns Erwachsene, sondern auch und vor allem

Kinder

Im Laufe unsere Lebens lernen wir alle, mehr oder weniger gut, uns mit unseren Gefühlen auseinander zu setzen und mit ihnen durchs Leben zu gehen.

Babys und Kinder müssen das noch lernen. Und unsere Aufgabe als Eltern ist es, sie dabei zu begleiten.

Freude zu begleiten ist relativ einfach. Im Normalfall freuen wir uns einfach gemeinsam mit unseren Kindern. Wir lachen, jauchzen und hüpfen mit unseren Kindern vor Freude.

Auch Liebe und Geborgenheit zu begleiten ist leicht, denn das tun wir im Normalfall von Ganz allein. Wir umarmen unsere Kinder, behüten und beschützen sie und so empfangen und empfinden sie Liebe und Geborgenheit.

Wenn es aber um die Begleitung negativer Gefühle geht, geraten wir als Eltern häufig an unsere Grenzen.

Für mich persönlich ist es am schwierigsten unsere Mukkelmaus in Bezug auf Ängsten zu begleiten.

Wut aushalten und begleiten und ihr zugestehen, dass sie auch mal wütend sein darf, fällt mir relativ leicht, auch wenn ich es (natürlich!) nicht immer schaffe geduldig, einfühlsam und empathisch zu sein. Letztendlich bin ich eben auch nur ein (generell eher ungeduldiger) Mensch und gerate insbesondere in Stresssituationen an meine Grenzen und schaffe es dann nicht mehr verständnisvoll zu bleiben. Ich versuche dann immer wieder mich zu besinnen und mich zu fragen

“ Bringt es mich jetzt weiter, wenn ich Druck mache? Wenn ich selbst wütend und ungeduldig werde?“

In der Regel beantwortet sich mir diese Frage ganz von allein mit „Nein“.

Denn

„Druck erzeugt Gegendruck“

und ich beobachte bei unsere Maus immer und immer und immer wieder :

Je mehr Druck ich ihr mache, je weniger Verständnis ich ihr entgegen bringe und je mehr ich mich von einem Gefühlsausbruch selbst stressen und unter Druck setzen lasse, umso länger sind wir gemeinsam in dieser in dem Moment ausweglosen Situation gefangen und umso weniger „funktioniert“ mein Kind gerade wie ich es mir in dem Moment wünschen würde. Ich schreibe hier „frunktioniert“ bewusst in „“, weil ich dieses Wort im Zusammenhang mit kindlichem Verhalten ganz schrecklich finde, allerdings fehlt mir gerade ein besseres passendes Wort.

Ich beobachte das vor allem dann, wenn ich merke meine Maus hat Angst.

Als wir jetzt ganz langsam angefangen haben, sie an die Umgebung und die Begebenheiten bei der Tagesmutter zu gewöhnen, ist mir immer wieder aufgefallen, dass sie ihren Radius immer dann erweitert hat, wenn ich sie nicht von mir weg geschickt habe. Wenn ich sie immer wieder in ihrem sicheren Hafen willkommen geheißen habe. Je ruhiger, gelassener und sicherer ich war umso weniger Angst hatte sie sich aus ihrem sicheren Bereich zu entfernen.

Aber auch das fällt mir nicht immer leicht. Denn diese Methode, sie in ihren Ängsten zu begleiten und sie ohne Zwang an eine neue ungewohnte Situation zu gewöhnen, erfordert vor allem eins : Zeit.

Zeit, die man sich nehmen muss und die oftmals eigentlich „nicht da“ ist.

Im Buch Slow Family von Julia Dibbern und Nicola Schmidt gehen die beiden Autorinnen, die auch durch das Artgerecht-Projekt bekannt sind, unter anderem auf die Bedürfnisbefriedigung aller Familienmitglieder im Alltag ein und wie man dies möglichst entspannt schafft. Dabei orientieren sie sich auch an der Bedürfnis Pyramide nach Maslow und ändern diese etwas ab.

Die Basis der Pyramide wird aus ihrer Sicht nicht durch körperliches Wohlbefinden allein gebildet.

Um körperliches Wohlbefinden herzustellen, so stellen sie die These auf, ist es essentiell wichtig “ einen Augenblick Zeit, um Bedürfnisse zu erkennen“ zu haben.

Das kann ich besonders durch die Erfahrungen in den letzten Wochen nur bestätigen.

Egal um was es geht, sei es das Erkennen eines (Grund-) Bedürfnisses oder das Begleiten vor allem negativer Gefühle, beides erfordert Zeit, Zeit und nochmal Zeit.

Und genau da liegt das Problem. In unseren Augen haben wir einfach oft keine Zeit uns und unsere Kinder wirklich zu begleiten. Schließlich haben wir doch am Nachmittag einen wichtigen Termin oder es muss doch dann in vier Wochen endlich klappen wenn Mama wieder arbeiten muss.

Das macht uns Stress und Stress wirkt sich in diesem Fall auf alle Familienmitglieder negativ aus.

Werden (Grund-) Bedürfnisse  nicht erfüllt und Gefühle nicht begleitet verstärkt sich in der Regel das nicht erfüllte Bedürfnis und das nicht begleitete Gefühl und macht eine ohnehin schon stressige Situation noch stressiger. So fühlen sich alle schlecht und alle sind genervt und traurig und überhaupt, dann ist einfach alles blöd.

Im Moment muss ich mich zum Beispiel immer wieder darauf besinnen.

Letzte Woche haben wir uns – endlich – ein Auto gekauft. Bisher waren wir immer viel zu Fuß oder eben mit Sen Öffis unterwegs. Bald geht es leider nicht mehr ohne Auto, aber auch so sollte irgendwann einmal eben in Auto angeschafft werden, denn mit Auto ist man einfach flexibler. Vor allem für uns war es wichtig, denn der Großteil unserer Familien wohnt weit weg ( was uns das erstellen eines Dorfs, das es ja bekanntlich braucht um ein Kind zu „erziehen“, noch zusätzlich erschwert bisher) .

Jetzt kann man tatsächlich an einer Hand abzählen wie oft unsere Mukkelmaus in ihrem bisherigen Leben Auto gefahren ist und auch diese paar Male waren fast immer eine Tortur. Auch jetzt ist es so, dass sie, sobald wir sie in den Sitz reinsetzen und anschnallen wollen, schreit und weint und sich so sehr windet, dass es uns oft nichtmal möglich ist sie überhaupt an zu schnallen.

Klar. Neue Umgebung, neue Situation, alles Ganz anders, auf einmal von  Mama entfernt und dann auch noch eingeengt und fixiert…. Da hätte ich auch Angst

Wir sind jetzt schon sehr behutsam vor gegangen die letzten Tage. Hatten den Sitz erst in der Wohnung stehen, haben sie sich rein setzen lassen. Dann haben wir den Sitz ins auto eingebaut und auch da durfte sie erstmal drin Rum klettern, sich selbst reinsetzen, die Gurte und alles andere erkunden. Spielzeug haben wir ihr mit hieingelegt, Bücher, einen Kuschelhund angeschnallt.

Und trotzdem hilft nichts. Sobald sie angeschnallt wird, weint sie als ob ihr jemand ans Leben wollte. 😔😭

Jetzt haben wir tatsächlich ein bisschen Zeitdruck, da es in zwei Wochen zu einer Einschulung gute 250km weit weg gehen soll.

Ich versuche mir immer wieder vor Augen zu halten, dass Druck jetzt gar keinen Sinn macht und ich kann es ja sogar verstehen- wahrscheinlich hätte ich an ihrer Stelle auch Angst. Dennoch frage ich mich in diesem Fall schon auch „Wie viel Druck ist vertretbar? “

Mein Bauch sagt mir „gar kein Druck“ andererseits bin ich unheimlich frustriert und verzweifelt, weil ich mir nicht vorstellen kann wie das in nichtmal zwei Wochen ohne klappen soll 😦

Um nochmal auf die Überschrift einzugehen :

Ihr seht, manchmal ist das Begleiten von Gefühlen tatsächlich leichter gesagt als getan.

Wie seht ihr das? Wie war das bei euch?Fanden eure Kinder Auto fahren gleich spannend oder hatten sie sich auch Angst?

Lasst es mich wissen ☺❤

Bis bald

 

Eure Bärenmama

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Ein Kommentar zu „Gefühle begleiten – leichter gesagt als getan?

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  1. Da haben wir Glück , der Bär kennt Autofahren seit Geburt und es war bis auf eine ganz kurze Phase nie ein wirkliches problem. Allerdings sind wir auch quasi täglich im Auto unterwegs. Wäre die Situation wie bei euch würde es wohl ähnlich aussehen.

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