Einer dieser Tage…

Kennt ihr sie auch? Diese Tage?

Tage, an denen man nicht so richtig weiß, was eigentlich genau los ist. Tage, an denen man irgendwie… bedrückt ist. Sich verkriechen und sich einfach die Decke über den Kopf ziehen möchte.

Heute ist so ein Tag. Den ganzen Tag schon dieses flaue Gefühl in der Magengegend. Der Kloß im Hals, der sich einfach nicht auflösen möchte.

Die letzten Nächte waren unruhig. Die Tage umso aufregender.

Gestern hat eine meiner besten Freundinnen ihre Hochzeit gefeiert. Rein räumlich gesehen relativ weit entfernt von uns. Will heißen, wir waren seit morgens früh mit Bus und Bahn unterwegs. Schicke Ausgehgarderobe, Wechselsachen, Geschenk fürs Brautpaar und nöliges „grade – noch – baby- jetzt – schon – Kleinkind“  im Gepäck, welches die Nacht zum Tag gemacht hatte. Alles aber nicht weiter wild, es war mir wichtig Teil dieses wundervollen Ereignisses zu sein. Dafür haben wir den Aufwand gern auf uns genommen. Wir konnten zeitig in dem Hotel einchecken, welches wir in weiser Voraussicht für eine Nacht gebucht hatten. Mukki konnte noch etwas Mittagsschlaf machen bevor wir uns gegen Mittag auf den Weg zur Feier begaben.

Schon für den Weg vom Hotel zur Feier haben wir uns mit einer andern sehr guten Freundin getroffen, die mit einer der Trauzeuginnen der Braut unsere kleine Mädelsclique komplettiert.

Ach, wie ich „meine Mädels“ liebe ❤

Und schon auf dem Weg hatte ich das Gefühl, nicht wirklich zu wissen was ich eigentlich sagen soll. Schon so lang hatten wir uns nicht gesehen und doch wusste ich nicht so recht was ich überhaupt erzählen kann. Total unbeholfen stammelte ich vor mich hin, nervös, irgendetwas zu sagen was vielleicht blöd ist…

Wir kamen dann nach ein paar Gehminuten an. Gingen in die Räumlichkeiten der Feier und dann überkam mich, neben der komischen Nervosität die mich auf einmal so fest im Griff hatte, noch ein Gefühl.

Erinnerungen.

Erinnerungen an unseren großen Tag vor etwas über einem Jahr. Als Mukki schon – obwohl sie noch gar nicht das Licht der Welt erblickt hatte – so sehr mein Leben bestimmte. Nicht, dass jetzt der Anschein erweckt wird, ich würde etwas bereuen.

Nein.

Das tue ich auf gar keinen Fall. Weder den Zeitpunkt der Schwangerschaft, noch dass ich hochschwanger der Liebe meines Lebens das Ja-Wort gab. Beides waren Entscheidungen die ich aus vollem Herzen traf und die genauso auch unabhängig von einander von mir so getroffen worden wären.

Nun standen wir dort, in diesem wunderschön geschmückten Saal, im sonnigen Biergarten, machten Bilder unterhielten uns und ich war weiter nervös, kribbelig. Als stünde ich unter Strom. Herzrasen. Immer wieder stiegen mir beim Gedanken an unsere eigene Hochzeit die Tränen in die Augen. Ich lächelte sie fort.

Denn dies war nicht mein Tag. Es war der große Tag einer meiner liebsten Freundinnen und ich freute mich wie Bolle auf die Feier und darauf, sie in ihrem wunderhübschen Brautkleid bewundern zu dürfen 👰

Dann war es soweit. Alle Gäste standen Spalier, wir natürlich auch. Schon zu diesem Zeitpunkt – die Feier hatte also noch gar nicht richtig begonnen – hielt es meine Mukkelmaus schon nur in unserem  Herzenstuch als Ringsling ganz nah bei mir aus.

Die beiden betraten den Raum und es verschlug mir fast den Atem. Tränen standen mir in den Augen. So ein wunderschönes Brautpaar ❤

Es wurde gegessen, gelacht und gefeiert. Es war laut, es waren viele Menschen, es war typisch russisch 🙂

Schon früh nach dem Essen habe ich Mukki im Tuch auf dem Rücken getragen. Sie war müde hat aber trotzdem noch toll mitgemacht.

Als ich die Gelegenheit hatte mich mit meinen Freundinnen ein wenig draußen zu unterhalten, wo es nicht ganz so laut war, trug ich meine Mukkelmaus noch immer im Tuch auf dem Rücken.

Nicht nur, dass ich das Gefühl hatte, rein optisch schon nicht so richtig in dieses Bild zu passen, ich wurde auch schlagartig wieder hochgradig nervös, stammelte zum Teil völlig wirres Zeug (als ob ich auf einmal verlernt hätte, mich wie ein normaler Mensch mit anderen zu unterhalten ) bis ich schließlich einfach irgendwann dabei stand und dem Gespräch zwischen meinen Freundinnen lauschte, an dem ich mich irgendwie so gar nicht recht zu beteiligen wusste. Es ging um Arbeit, Freizeit und Zeit mit der sie nichts anzufangen wussten. Ich stand dort und dachte “ wie gern würde ich das mal wieder sagen können .“

Und da war er. Der Stein im Magen und der Kloß im Hals.

Ich weiß, dass meine Mädels mich auch mit Kind noch genauso lieb haben wie zu Zeiten ohne Kind. Und ich weiß auch, dass sie jederzeit genau das Verständnis aufbringen, was es braucht um diese Freundschaft aufrecht zu erhalten, die es schon gab, bevor ich Mutter wurde. Umso größer ist mein schlechtes Gewissen darüber, dass ich im letzten Jahr so unglaublich wenig Zeit für diese wunderbaren Frauen hatte.

Und doch hatte ich plötzlich das Gefühl nicht mehr wirklich dazu zu gehören.

Bevor ich Mutter wurde, unterhielten wir uns alle gemeinsam über die Arbeit, tauschten uns aus, ärgerten uns über die Dinge, die uns im Arbeitsalltag beschäftigten. Jetzt stehe ich daneben und kann mich nicht mehr einbringen.

Bevor ich Mutter wurde, war ich diejenige, die alle auf die Tanzflächen zog und ausgelassen und zu nahezu allem wie verrückt tanzte. Jetzt stand ich draußen, mit meinem Kind auf dem Rücken und schwofte ein wenig beruhigend durch die Gegend, die ganze Zeit darauf bedacht, dass meine Mukkelmaus nicht die volle Ladung der gewaltigen Geräuschkulisse ab bekam.

Und dann wurde Mukki zunehmend nöliger. Es war ihr zu viel, zu warm,zu laut. Und so entschieden wir uns schon am frühen Abend dazu, die Feier zu verlassen. Und so war ich, waren wir, auch wieder “ Die Eltern mit dem Kleinkind, die so früh gegangen sind“. Wieder, weil es solche Situationen im letzten Jahr häufiger gab.

Wieder brachten meine Freundinnen, meine lieben Mädels, unfassbar viel Verständnis auf und mich plagte das schlechte Gewissen.

Letztendlich war es gut für unsere Mukkelmaus, dass wir so früh gegangen sind, denn sie brauchte noch gute 2 1/2 Stunden bis sie einigermaßen zur Ruhe kam und einschlief.

Ich hingegen war traurig.

Denn, auch wenn ich mein Kind über alles liebe und alles dafür tue, dass es ihr an nichts mangelt und ihre Bedürfnisse immer an erster Stelle stehen und so sehr ich auch das Muttersein liebe und genieße, habe ich doch gestern wieder einmal schmerzlich feststellen müssen, wie sehr ich meine (noch kinderlosen) Freundinnen vermisse. Diese wunderbar unbeschwerten Gespräche. Die Leichtigkeit des „einfach Seins“. Ich habe wieder einmal festgestellt, dass unsere Maus unser Leben von Grund auf verändert hat.

Das heißt nicht, dass ich das schlecht finde. Absolut nicht!

Aber es heißt, dass man für eine Weile Abschied nimmt, von etwas, dass einen Menschen genauso vollkommen machen kann, wie ein Kind.

Spontanität, Leichtigkeit, Feiern bis in die frühen Morgenstunden, Freundschaft, die ein anderes Fundament bildet, als eine Freundschaft die mit anderen Eltern entsteht.

Gestern habe ich all meine Tränen, all meine Gefühle unterdrückt um stark zu sein. Für mich und meine Familie und meine Freunde.

Heute lasse ich sie zu.

Diese Tränen der Freude darüber, immer noch Teil solcher wundervollen Ereignisse sein zu dürfen, obwohl ich oft Kindbedingt absagen muss.

Diese Tränen der Rührung, wenn ich an meine eigene Hochzeit denke, die so wunderschön und ehrlich und vollkommen war.

Diese Tränen der Traurigkeit darüber, dass sich so unfassbar viel verändert hat und dass ich so vielem was ich so geliebt habe, für eine ganze Weile meinem Kind zu Liebe auf wiedersehen gesagt habe.

Und diese Tränen des Stolzes, des Kämpfens dafür, dass ich so eine wundervolle kleine Tochter und meine große Liebe an meiner Seite habe und es uns gut geht.

Und auf einmal ist er weg, der Kloß im Hals, der Stein im Magen.

Denn weinen ist der Weg der Seele, sich zu befreien und zu reinigen.

Eure Bärenmama

 

 

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